Tag 28

Russene, ein Ort

Achtundzwanzigzwei. Leute, Leute, nur noch zwei Tage und die finden in ausnehmend schöner Umgebung statt, entlang des Porsangenfjords. Und das ist gut so, denn wir brauchen Zerstreuung. Hier wird nämlich das Been dicke, wie der Preuße sagen würde. Das was sich gestern schon andeutete, hat sich heute bei Steffen manifestiert. Musste mich darauf hin als Masseur verdingen. Ob's geholfen hat wird sich morgen zeigen. Ansonsten war die Strecke aber sehr nett (siehe Bilder) und das Ganze auch noch mit Rückenwind. So waren wir trotz "Wachtelei an Oberschenkel" guter Dinge, zumindest bis nach dem Abendessen, denn dann las ich welche Mautgebühren in der Nähe des Nordkaps auf uns zukommen. Erstens midestens 25,-€ pro Person (Stand Reiseführer 2011) als Eintritt in die nähere Nordkapregion plus zweitens Straßen- und Tunnelmaut von 45,-€ für den Transporter und uns drei - one way !, dass heißt, dass drittens noch mal 45 Euronen für den Rückweg anfallen. Lieber Kämmerer der Nordkap-Kommune, weißt du denn nicht, dass Habgier eine der Totsünden ist? Ich verstehe das nicht, sicher müssen Straßen und Tunnel irgendwie finanziert werden, aber sollte das u.E. nicht ausschließlich durch die Touris geschehen. Bei den tausenden von Besuchern jährlich muss es doch mit der Hälfte der Maut auch funktionieren, oder watt?     
Nun gut, wir wollen uns davon aber nicht das Projekt verderben lassen. Und dass uns das auch gelungen ist soll das Bild "Läufer mit Hund" beweisen. Nachdem wir einen sehr schönen Platz zum Schlafen gefunden hatten (null Mücken, ein Fluss mit trinkbarem Wasser, gutes Wetter) leckten wir unsere Wunden und nahmen die Füße hoch. Heutiger Tagesschnitt: 6:08 min/km, verbratene Kalorien: 5778 kcal, qualmende Socken: 2 Paar. Meine beiden Paare Schuhe haben gut durchgehalten, sind nach gleichmäßiger Einsatzdauer (am Ende also je 1000 km) aber auch so gut wie am Ende, wobei der GEL Volt 33 insgesamt noch einen besseren Eindruck macht. Frubiase und Eiweißpulver haben wir nur leicht weniger verbraucht als kalkuliert, dafür stieg der abendliche Zuckerverbauch bei mir in Form von Rosinen und Bitterschokolade, bei Steffen in Form von Vollmilch-Nuß und schwedischem Dünnbier.
Wir sind trotz der nun wirklich brennenden Beine euphorisiert, da wie schon erwähnt unser Ende naht, na ja, ihr wisst schon... Kathrin ist sicher auch ein wenig froh darüber, denn dann kann ich sie die 3200 km back to Germany beim Autofahren unterstützen und Steffen kann sich um Xavi den Staubsauger kümmern. Da er als Labrador Retriever und in der Hoffnung Fressbares zu finden nie die Schnauze von der Erde nimmt, muss man stetig gefasst sein, dass er irgendetwas frisst was vielleicht nicht so geeignet ist für einen Hundemagen. Gestern fanden wir im Gebüsch fünf abgeschlagene und halbverweste Schafsköpfe. Es war ein ständiger Kampf ihm klar zu machen, dass es sich hierbei, zumindest aus unserer Sicht, um Pfui handelt. Nun, es ist uns gelungen.
Zwanzig Uhr drei, es stürmt und draußen ist es recht kühl. Mein Laufpartner hat für heute sein Maßband schon abgeschnitten, Kathrin ebenso. Ich hätte Lust auf'n Bier in der Dorfkneipe, nur ist diese weit weit weg und ich komme momentan sowieso an keinen Kredit ran. Dann geh ich halt bis zum Dunkelwerden spazieren!

Euer Holger   

Steffen und Xavi entspannen auf der Wiese 

Steffen und Xavi entspannen auf der Wiese

Regenzwangspause im Wohnmobil

Regenzwangspause im Wohnmobil

 Berufsperspektiven für Menschen mit Seheinschränkungen