Tag 10

Bei Hammerdal

Nu isses das erste Mal passiert: Kein Netzwerk. Meine Kollegen Jörg und Sven hatten mich vor Wochen gefragt ob denn das mit dem Immernet entlang der E45 sicher wäre. Hatte damals mit den Schultern gezuckt und gemutmaßt, dass Schweden als ein zivilisiertes europäisches Land bestimmt überall an so wichtigen Punkten wie Europastraßen einen Mast aufgestellt hätte, der dann unsere Weisheiten nach Hause trägt. Jetzt weiß ich es besser. Deshalb die Verspätung.
Die Östersund-Way-Out-Etappe begann mit einer Zwangspause, denn nationales Verkehrsrecht sieht auch hier vor, dass Menschen und Radfahrer auf vierspurigen Straßen nix zu suchen hätten. So durften wir in den Transporter hüpfen und 6km lang fühlen wie wunderbar schnell und einfach diese vergehen können. Dann hüpften wir wieder raus und bei Kilometer 26 brach es über uns herein. Regen, mal wieder, und wie mein Kumpel in seinem unsäglichen Optimismus sagt: “Das is nur ne Husche.“ Von wegen, auch dieses Mal stimmte der Spruch nicht und wir waren zur zweiten Zwangspause verdonnert, blieben aber an Ort und Stelle. Dreißig Minuten später und beinahe wieder trocken setzten wir die Etappe fort. Ich kann Euch sagen, unsere Achillessehnen und Wadenmuskel wären lieber im Auto geblieben und hätten den Tag beendet. Aber hejh, wer ist hier der Herr über seinen Körper? Na gut, lassen wir das, denn da gibt es Gegenbeispiele zur Genüge.  
Belohnt haben wir uns heute mit einem üppigen Abendessen: gekochte Eier im Dutzend, rote Beete Salat wie ich ihn mag, Toast mit heimischer Wurst wie Steffen sie mag, ich nun auch, Paprika, Kohlrabi (Attacke), Gurke, Nüsse und Rosinen und Kathrins in Thüringen gesammelten Kräutertee.
Protokoll unserer Physis: Nach 664 Laufkilometern in 10 Tagen gaben uns unsere Nieren zu verstehen, dass sie gern mehr zu trinken haben würden und uns dann auch mit einem helleren Produkt beglücken würden. Danke Jose für die schnelle Aufklärung.
Morgen schieben wir uns über Strömsund am schönen See Russfjärden gen Lövberga, wahrscheinlich aber noch bis Stornäset. Isse klaro, oder?
Euer Holgerson

Steffen/Holger/Hund: Östersund-heut mal mit Hund

 

Bildunterschrift Steffen/Holger/Hund: Östersund-heut mal mit Hund

Tag 9


Östersund – not only home of biathlon

Die Stadt Östersund ist nicht nur wenn es schneit ein Ort zum Verweilen. Sie liegt am Storsjön, einem großen und weit verzweigten See, der zum Fischen, Boot fahren und Umwandern einlädt. Luftlinie 40km vom Zentrum entfernt findet man die Berggruppe Oviksfjällen mit seinem Chef, dem 1371m hohen Väster-Aradalen. Der hat selbst heute am 16. Juni noch Schnee und wir hoffen sehr, dass der nicht zu uns runter schwappt. Der Tag war das Wetter betreffend zweigeteilt. Bis 13 Uhr blieben wir trocken und wohl gelaunt, danach wurden wir nass und einsilbig. Doch wie das so ist im Leben, auf Regen folgt Sonne. Jetzt scheint sie wieder.
Geräusche: Liebe Leonie, liebe Liese, meine liebe Emma. Wenn man beim Laufen aufmerksam die Öhrchen spitzt kann man ganz verschiedene Geräusche wahrnehmen. Das Geräusch, das Steffens und meine Füße auf dem Asphalt verursachen, manchmal im Gleichschritt, manchmal eben nicht. Steffens Atem in meinem Nacken. Das Rauschen des vielen Wassers in den Bächen, die Reifengeräusche der Autos, den Wind in meinen Ohren und das Zwitschern der Vögel. Besonders häufig hört man hier den Kuckuck.
Eine Antwort zum Losungs-Quiz haben wir bereits erhalten. Klaus ist sich sicher, dass es sich um einen jungen Elch handelt, dessen Vater Halbitaliener ist. Lieber Klaus, das können wir nicht gelten lassen, da es schlichtweg falsch ist. Sorry, aber du musst weiterhin in der Heide trainieren.
Übrigens, gedacht habe ich bei Kilometer 12 an diejenigen, die sich 10 Uhr in der Heide zum sonntäglichen Longjog treffen. Wahrscheinlich habt ihr aber nicht solch ein Tier getroffen wie wir heute. Unser erstes Rentier!! Eigentlich waren es zwei, aber die Rentierkuh (wass’n Wunder!) präsentierte sich lang und breit vor Kathrins Kamera. Nach diesem guten Start hätten wir nix dagegen wenn es irgendwann noch einen Elch, frei lebend versteht sich, vor die Linse gäbe. 
Die morgige Etappe führt uns nach Hammerdal. Da wollen wir mal hoffen, dass das kein schlechtes Omen ist.
Euer Holgerson

 Was guckst Du?

Was guckst Du ?

Schwedischer Schilderwald mit Läufern

Schwedischer Schilderwald mit Läufern

 

Tag 8

Tag 8
Asarna am See Älden

Und das mit dem Bingo gestern Abend, das war so. Wir sitzen ganz friedlich am See beim Dinner (!) und werden plötzlich von einer Lautsprecherdurchsage aufgeschreckt. Den genauen Text kann ich verständlicherweise jetzt nicht wiedergeben, irgendwo zwischendrin verstand ich dann aber BINGO. Muss international sein, das Wort, und so auch die Spielregeln. Was mir aber neu war ist die Location: ein Parkplatz auf dem sich die Bingoisten mit ihren Autos hinstellten wie sie wollten und der Dinge harrten die da kommen. Gestern war Freitag und der Bingoabend höchstwahrscheinlich der kulturelle Höhepunkt in einem Ort, der aus der E45, zwei Kneipen, vielleicht sieben Häusern und einem Hotel bestand. Gespielt wurde circa zweieinhalb Stunden und derjenige, der sein Blatt voll hatte ließ sein automobiles Signalhorn ertönen. Zwei angestellte Kinder, vielleicht gehörten beide zum Veranstalter des Events, übernahmen dann die Kontrolle der Zettel und gaben dem glücklichen Gewinner eine Bestätigung seines Gewinnes. Wahrscheinlich ging man dann irgendwann mit einem Tütchen zur Kasse…
An eine Lotterie erinnert unser Lauf nicht, naja, vielleicht ein wenig, denn man kann nie wissen was einem am Morgen weh tut. Der Tag heute war gut. Wir schrubbten unsere Kilometer und blieben vom Regen verschont. Doch dafür hatten wir strammen Wind, der uns alles abverlangte. Die Landschaft wechselt von dichtem Wald hin zu offenem Gelände mit unzähligen Findlingen. Zu Zeiten der Deutschen Demokratischen Republik haben wir uns immer gewundert warum uns die Skandinavier im Orientierungslauf oft haushoch überlegen waren. Als wir dann mal eine Karte zu Gesicht bekamen war uns alles klar. Anders als in unseren Kulturwäldern stießen diese Sportfreunde zu Hause auf naturbelassene Gelände. Da musstest Du immer extrem achtsam sein, dass Du nicht an dem Felsen oder der Kuppe vorbeigerauschst und dann im sprichwörtlichen Wald standest.
Im Wald haben wir heute etwas gefunden, von dem wir nicht wissen welches Tier uns diese Bonbons geschenkt hat. Okay, machen wir es so, wer es von Euch rausfindet und uns eine Mail mit der richtigen Losung schickt, darf die letzten 500km mit uns laufen.

Euer Holgerson

Getränkeflaschen,Teller mit Banane,Apfel u. Melone  

tierische "Bonbons"

Tag 7

Ankunft in Ytterhogdal

„Gehst Du weg! Was hab‘ ich gesagt? Geh, hoah…“ Doch so einfach ließ er sich nicht abschütteln. Nein, ich meine natürlich den Hund, der bei Kilometer 15 auf uns von einem Grundstück aus zu stürzte und trotz größter Schreierei und wilden Gestikulierens nicht ablassen wollte. Steffen meinte es wäre wohl ein Cocker, aber pah, ich kenne Cocker und dem hier fehlte einiges zu einem solchen Schmusebären. Der sah für mich er aus wie einer, der angeschossenes Wild verfolgt und wer weiß, bei unseren Blessuren? Letztlich rettete uns sein Herrchen, der in zurück rief und wohl auf Schwedisch um Entschuldigung bat. Vielleicht wünschte er uns aber das gleiche Glück auch beim nächsten Hund.  
Der Tag war heute nicht einfach. Trotz des erwähnt ruhigen Verkehrs war eine von drei Läuferwaden fest und ein großer Pomuskel zwickte. So quälten wir uns über die Distanz und waren heilfroh den rettenden See erreicht zu haben. Und somit kann ich auch dem Wunsch einer lieben Kollegin nachkommen die meinte, dass das mit den Fotos vom schönen Schweden ja ganz nett sei, dass sie aber unsere gequälten Gesichter nur allzu gern sehen würde. Gesagt – getan, hier ein Foto mit den besagten Gesichtern und einer Zahl vor der Brust, die zeigen soll, dass wir die erste Woche geschafft haben.
Dann lernten wir noch Werner und Monika aus dem schönen Westerwald kennen, die seit 10 Jahren einen Steinwurf entfernt in Fassjö Ferienhäuser vermieten und in Schweden eine neue Heimat gefunden haben. Wir sprachen über das Wetter, schwedische Straßen, Seen und Berge, die Elch- und Bärenjagd, Frau Merkel, das Hochwasser und wie verrückt wir seien. Aber das hatte man uns ja schon anderweitig attestiert. Sie luden uns ein auf dem Rückweg einen Kaffee bei ihnen zu trinken. Schau’n mer mal.  
Und während ich so schreibe beißt doch tatsächlich ein Fisch an, pünktlich zum Wochenjubiläum. Was für ein Tag! Unser nächstes Ziel ist Östersund, das braucht aber noch zwei Tage. Und morgen gibt es einen Bericht zu einer schwedischen Spezialität: Auto-Bingo.

Euer Holgerson 

 

Unsere Gesichter nach sieben Tagen Jogging
Unsere Gesichter nach sieben Tagen Jogging

 

Fisch
Fisch

Tag 6


Immer noch auf dem Weg nach Ytterhogdal

Regen, Regen, Regen! Er kam in der Nacht und blieb unser Begleiter für den Tag. Und auch jetzt gegen 17 Uhr ist der Himmel immer noch grau und Wolken verhangen. Wir haben gestern also zu früh gejubelt als wir uns über das schöne Wetter gefreut hatten. Andererseits, mal ganz ehrlich, in Skandinavien erwartet man ja geradezu mindestens „durchwachsenes“ Wetter. Das ist so klar wie Sonne in Italien oder Spanien, aber was ist klimatisch heutzutage noch klar?
Wir pressen uns in unsere Kleider, werfen die Regenjacke über und hoffen, dass die Schuhe nicht gleich nach 10km durch sind. Wer es schon mal im Regen laufen versucht hat konnte sich im Ziel vielleicht über Blasen freuen. Die feuchte Sportsocke reibt dann ordentlich auch an sonst unproblematischen Stellen. Außerdem ist der gesamte Stand bei Nässe in einem Schuh nicht ganz optimal. Dinge wie diese gingen uns durch den Kopf und wir machten uns auf die Strecke.
Heute verließen wir die E45, was uns eine gewisse Erleichterung verschaffte. Der Verkehr war weniger stark und die obligatorische Dusche die jeder Truck beim Überholen verursachte traf uns nicht so häufig. Trotzdem waren wir bald durchnässt, liefen witzigerweise über das Monopoly Dorf "Los", was uns aber heute nicht so erheiterte, und hingen die Schuhe dann nach 51km an den Nagel. Für heute, denn wir hatten die Nase voll. Brühe und starker Kaffee brachten uns wieder unter die Lebenden.
Kommunikation: Unsere Kommunikation während der Etappe ist vorsichtig formuliert zurückhaltend. Außer den Hinweisen, die ich Steffen über die Beschaffenheit des Belages gebe, reden wir kaum miteinander. Ich bin froh, dass wir da beide gleich ticken. Wir konzentrieren uns lieber auf die Straße, schneiden uns wie schon erwähnt in Gedanken kleine Distanzhäppchen zurecht und versuchen unser Unterbewusstsein zu manipulieren: schon 20 geschafft, bald Marathon und fast 50, nach der 50 isses nur noch ein Katzensprung. Doch wenn das Etappenziel aufgrund schlechter Kilometerangaben nur eintausend Meter weiter ist hat man ernsthafte Probleme es doch noch zu packen. Die Beine werden schwer, der Laufstil geht flöten und unsere Gesichter werden sicher auch nicht schöner.
Stichwort schöner, morgen wird's das bestimmt. Habe beim lokalen Wetterdienst www.yr.no nachgesehen. Die versprechen trockenes Wetter zumindest bis zum Mittag. Werdn sie verklagen, wenn nicht...

Bis morch'n.graue verregnete schwedische Seenlandschaft

Tag 5

Auf dem Weg nach Ytterhogdal

Wieder stehen wir gegen sieben Uhr auf. Obwohl wir abends gut erschöpft ins Bett fallen brauchen wir nicht mehr als ungefähr acht Stunden Schlaf. Der Transporter verfügt über eine Dachluke, die wir ständig geöffnet lassen. Über Nacht werden die hinteren Türen leicht geöffnet. Das ermöglich eine gute Luftzirkulation und verhindert den Erstickungstod von uns vieren. Die nächtliche Geräuschkulisse ist beachtlich, da jeder, selbst Xavi, etwas dazu beitragen kann. Dank „der gelben Ruh“, wie du lieber Tom die kleinen Helfer aus dem Drogeriemarkt nennst, finden wir alle den bitter benötigten Regenerationsschlaf. Heute Morgen hatten wir jedoch den Eindruck, dass dieser Schlaf etwas zu kurz gekommen ist. Erstaunlicherweise waren die Kilometer dann doch nicht so anstrengend wie befürchtet. Furcht flößte uns dagegen ein Truck ein der seiner Spur unbedingt treu bleiben wollte. Intuitiv hüpften wir zur Seite… Hoffentlich lesen das unsere Familien daheim nicht. Positiv erwähnen möchten wir hingegen die vielen Autofahrer, die freundlich hupen und winken.
Laufschuhe: Beim Fotografieren der Schuhe fiel uns auf, dass wir nur Asics unser Vertrauen schenken. Das liegt zum einen an unseren Bekleidungssponsoren Runners Point und Sport Knabner und natürlich auch an unseren guten Erfahrungen mit den Dingern. Wir können uns aber auch genauso gut andere Marken wie Adidas, Mizuno oder Zeha (na die vielleicht nicht gerade) vorstellen. Steffen mag lieber die mit guter Dämpfung, die nach eigener Aussage besser zu seinem Kampfgewicht passen. Bei mir ist weniger mehr, obwohl ich spätestens nach 55km auch gern mal einen solchen Hausschuh tragen würde. Momentan ist es wirklich echt warm hier und die Socken qualmen abends ganz schön. Kathrin hat eine Campingwaschmaschine mit und wäscht so oft es geht unsere Klamotten. Danke für Deinen heroischen und alle Gerüche ignorierenden Einsatz!
Heute feiern wir einen Etappensieg. Ein Sechstel der Strecke ist geschafft, das sind rund 335km von 2000. Ja, Andreas, die Portionierung unserer momentanen Welt ist auch hier wieder einmal entscheidend für’s Durchkommen!
Das soll’s gewesen sein für heute. Jetzt werf‘ ich noch mal die Angel in den See und widme mich meiner geliebten Gymnastik.

 

Unsere deutsche Outdoor Dusche in Schweden. Damit sich das Wasser erwärmt muss uns die Sonne lachen. Bedeckter Himmel führt zu Speed-Showering!
Unsere deutsche Outdoor Dusche in Schweden. Damit sich das Wasser erwärmt muss uns die Sonne lachen. Bedeckter Himmel führt zu Speed-Showering!

 

Hoffnungsträger Schuh. Werden sie es schaffen bis zum Nordkap?
Hoffnungsträger Schuh. Werden sie es schaffen bis zum Nordkap?     

Tag 4

Dienstag, 11. Juni 2013, kurz vor Mora

Ta en paus i Malung. Hätten wir ja gern gemacht, nur mussten wir noch 40 km weiter. Also kurz winken und weiter geht’s. Der Tag begann heute mit lausigen Temperaturen. Zum Morgenkaffee zogen wir alles an was wir finden konnten. Beim Streching wurde uns auch nicht so richtig warm und so zogen wir los. Schwedens Straßen sind bis hier in gutem Zustand, bieten nur wenig Risiko zum Stolpern. Steffen hält sich meist hinter mir, da der Verkehr mitunter doch heftig ist. Da dieses Hinterhergelatsche mental und auf Dauer nur schwer zu verkraften ist setzt er sich so oft es geht neben mich. Im Straßengraben findet sich so allerhand: unzählige Seitenspiegel, leere Bierflaschen, eine Schraubzwinge in traurigem Zustand und ein gigantischer Gewindebolzen, der doch sicher an anderer Stelle sein sollte. Schwedische Verkehrszeichen sind rot und gelb und weisen auf lustige Ortschaften wie Gunnillokskojan oder Lustigkulle hin. Wie tief reicht eigentlich eine Borlänge?   
Bei einer unserer Pausen trafen wir zwei Herren, die auf Rollski und im Doppelstockschub durch die schwedische Einöde rollen. Wir kommen kurz ins Gespräch und sie fragen uns ob wir das mit dem Nordkap wirklich ernst meinen. Tun wir, auch wenn es besonders zwischen Kilometer 55 und 65 ganz besonders schwer fällt. Im Gegenzug attestieren wir ihnen, dass das was sie tun auch nicht gerade üblich ist.
Gegen 16 Uhr ist unser Arbeitstag vorbei. Heute leisten wir uns einen Campingplatz, natürlich an einem See und mit einer heißen Dusche. Wir liegen im Plan und die Stimmung ist gut. Zum Abendessen gibt es selbstgemachte Buletten aus schwedischem Fleisch. Läkker, falls das so heißt hier…

 

Tag 4, kurz hinter Malung treffen wir auf zwei schwedische Rollskifahrer

Bildunterschrift: Tag 4, kurz hinter Malung treffen wir auf zwei schwedische Rollskifahrer

Tag 3

Hallo Halle,

nach der Überwindung technischer Schwierigkeiten kann ich endlich die erste Brieftaube schicken. Und so vertrieben wir uns heute die Zeit…

Vier Uhr vierzig zwingt mich die exzessive Flüssigkeitsaufnahme des Vortages aus den Federn und schon wieder ist die Sonne wach. Als wir gestern gegen 11 Uhr zu Bett gingen war sie noch am Himmel. Was für eine Energie! Die Morgenroutine beginnt mit Muskelarbeit an der Kaffeemühle, zu Essen gibt’s nix und dann füllen wir die Flaschen auf. Frubiase und Elektrolyte, sowie gutes schwedisches Wasser aus der Leitung, was man hier natürlich bedenkenlos trinken kann. Dann spekulieren wir das Wetter betreffend in den Tag hinein und hoffen, dass uns Hitze oder heftige Regenschauer nicht so wie gestern zwischen den Verpflegungspunkten erwischen. Apropos Verpflegung. Kathrin fuhr bisher immer 10 km voraus und stellt uns Getränke und Obst bereit. Heute waren wir wegen der hohen Temperaturen und der bis dahin reichlichen Höhenmeter ab Kilometer 50 gezwungen die Abstände zwischen den Getränkeposten zu verkürzen.

Protokoll der physischen Beschwerden:

Steffen registriert nach 198km eine Blase unter dem rechten Zeh, doch kennt man sich seit Jahren und trifft sich immer nach extremen Belastungen. Es besteht also kein Grund zur Besorgnis. Dazu kommen kleinere Beschwerden am rechten Oberschenkelbeuger. Holger ist noch Blasen frei, spürt aber die linke Kniesehne und spät in der Etappe den rechten Fußballen. Therapieansatz: bei Läufern wenig beliebtes aber mehr denn je notwendiges Dehnen. Kathrin und Xabi sind okay. Protokoll der mentalen Beanspruchung: Bisher ohne Befund.

Fortsatt trevlig resa!

In diesem Sinne, bis morgen.

Das Bild zeigt die Läufer auf der Landstraße in Norwegen

Tag1

Hallo liebe Freunde des Ultrasports!

Die Sonne schien als könnte sie nicht anders als wir heute Morgen acht Uhr unsere ausgeruhten Füße in Bewegung setzten. Endlich durften wir los nach drei Tagen Bus und auf der Fähre. Endlich Kilometer fressen, endlich Sprüche klopfen wie „nur noch 29 Starts“. Na ja, das wird uns schon noch vergehen, aber nach den ersten 67km sind wir glücklich und angenehm erschöpft. Für Insider, ein disziplinierter 6 Minuten Schnitt war heute unser Pacemaker. Na dann, bis zum nächsten Bericht bleibt schön geschmeidig in den Sehnen.

Herzlichst das ONK-Quartett.

Bild der Läuder in Oslo am Holmenkollen

Abreise

Blog zum Nordkapprojekt

Heute wurden der blinde Sportler Steffen Klitschka und Holger Stoek (BFW Halle) auf dem Marktplatz in Halle von Herrn Geier (Bürgermeister) verabschiedet. Sie starten in ein 30tägiges Abenteuer – einen Lauf von Oslo bis ans Nordkap. Sie können an dieser Stelle in den nächsten 30 Tagen ihre Erlebnisberichte lesen. Wir wünschen den beiden Sportlern viel Durchhaltevermögen, eine verletzungsfreie Tour und viele schöne Erlebnisse und Begegnungen. Kommt gesund wieder! Weiterlesen...

 Berufsperspektiven für Menschen mit Seheinschränkungen