Tag 19

Tag 19 (26.06.2013)
Jutsarova - gleich hinter Porjus (Barjas)

Doch, wir befinden uns noch immer in Schweden und nicht in der Tschechischen Republik. Ein schwedischer Ureinwohner samt seinem alkoholisierten Cousin erzählte uns eben, dass die Namen hier Lappischen Ursprungs wären, da wir ja schließlich in Lappland wären. Er macht auch keinen Hehl daraus, dass Schweden die Volksgruppe der Lappen regelrecht hassen würden, da diese ein unangemessenes Anspruchsdenken hätten was die Übereignung von Land und die finanzielle Unterstützung der schwedischen Regierung betrifft. Selbstredend würde erwähnte Kohle natürlich aus Steuergeldern finanziert werden. Wie sich doch die einfachen Wahrheiten in der ganzen Welt ähneln.
Hinter Jokkmokk ändert sich die Landschaft plötzlich. Der dichte Wald weicht zurück und die liegen gebliebenen Kiesel der Eiszeit werden sichtbar. Wenn diese dann noch mit Moosen und Flechten überwuchert sind und alle Nase lang ein Rentier aus’m Wald hüpft hält man es unter laufbedingtem Sauerstoffmangel durchaus für wahrscheinlich, dass der Nikolaus mit seiner Bande und dem Schlitten jeden Moment ums Eck biegt. Das Foto mit den Tierlein gefällt uns ganz besonders gut, da es ein Beweis für deren und unsere Existenz zur gleichen Zeit am gleichen Ort ist. Obwohl, Beweise zu Zeiten von Photoshop…   
Läuferisch war heute ein ambivalenter Tag. Zum einen waren wir stolz auf unseren Schnitt von 5:34min/km über 69 km. Das brummte richtig, wir hatten Rückenwind und konnten schöne lange Schritte mit Becken nach vorn machen. Am Ende zwackte Steffen allerdings der große Zeh, vielleicht gerade wegen des schnellen Schnittes. Wir sind gespannt wie es sich morgen anlässt. Und, good news bezüglich des Rennsteigsouvenirs, das heute ganz friedlich war und nun vielleicht aufgegeben hat mir den Tag zu vermiesen.
Kalorienverbrauch: Da muss ich nun doch mal was zu schreiben. Wenn man den aufgeklärten Ernährungsberater seines Vertrauens befragt meint der, dass ein Mann im Schnitt 2200 bis 2500 kcal pro Tag benötigt, um nicht vom Flesche zu fallen. Nun, da hatte ich schon immer meine Zweifel. Wenn dieser Mensch sich extremen körperlichen Belastungen aussetzt muss davon ausgegangen werden, dass da noch’n bissel was dazu kommt. Mein Garmin sagt mir, dass ich bei unseren Tagesetappen von 66 km ungefähr 5500 kcal verbrauche. Damit mich meine Kinder Mitte Juli auch wieder erkennen, sollte ich diese Menge an Energie wohl auch zu mir nehmen. Seit Sommer 2010 ernähre ich mich ziemlich konsequent low carb. Das bedeutet grob umrissen keine Produkte, die raffinierten Zucker enthalten (ich kann an dieser Stelle unmöglich alle Dinge aufzählen) oder Produkte aus Mehl (Brot, außer Eiweißbrot, Brötchen, Kuchen), aber auch stärkehaltige Produkte wie die gemeine Kartoffel oder die in Läuferkreisen so beliebte Nudel. Ob die gemein zu nennen ist weiß ich nicht. Warum das alles? Kohlenhydrate (carb in English) dieser Art sind nicht gut für die Gesundheit (befördern u.a. Entzündungen, sorgen für eine Achterbahn beim Blutzuckerspiegel, nagen an Gefäßen oder setzen sie zu, machen außerdem moppelig) oder besetzen die Sitzplätze an den roten Blutkörperchen, für die eigentlich die Sauerstoffmoleküle das Ticket gebucht haben. Kein Sauerstofftransport, keine Power im Muskel. Drauf gebracht hat mich ein sehr guter Freund und Kletterpartner, der seinerzeit an Krebs erkrankt war (und der mir leider „abhandengekommen“ ist) und sich über diesen Umstand mit der Materie beschäftigt hat (die Herren Coy und Strunz). Dass wir dabei auch die große Bedeutung für den Ausdauersport (Fettstoffwechsel) für uns entdeckt haben ist eine großartige Sache. Aber zurück zum täglichen Essen. Ich sitze zwar nicht mit dem Taschenrechner hier, weiß aber sehr gut, dass ich keine 5500 kcal zu mir nehme. Mein Energiebedarf ist natürlich höher als dahoam, aber was kann schon drin sein in einem Morgenkaffee, 300g Melone, einer halben Banane, einem halben Apfel, 1l Frubiase, 0,75l Elektrolytflüssigkeit, 300-400g Boulette, Paprika, Gurke, 1,5 Liter Wasser, 2 Tee, 50 g Schokolade mit 80% Kakao?

Steffen,Holger,Elch und viel Staße

Steffen,Holger,Elch und viel Straße      

 Berufsperspektiven für Menschen mit Seheinschränkungen