Mitteldeutsche 28.05.10 Reha schon am Arbeitsplatz

KOMPETENZZENTRUM Das Förderwerk für Blinde und Sehbehinderte setzt auf Prävention. Tag der offenen Tür informierte über Hilfsmittel und Ausbildung.

Von CLAUDIA CRODEL

Halle/MZ – Das Schneidermaßband sieht ungewöhnlich aus. Jeder Zentimeter ist mit einer kleinen Öse gekennzeichnet, die Fünfer- und Zehnereinteilung jeweils mit einer etwas größeren. „Damit können auch Blinde und Sehbehinderte leicht etwas abmessen“, erläutert Sven Bohrisch vom Landeshilfsmittelzentrum in Dresden. Das überzeugt Gabriele Hennig. Die Leipzigerin kommt aufgrund ihrer Erblindung seit September 2008 jede Woche einmal in das Berufsförderwerk (BFW) für Blinde und Sehbehinderte in der Bugenhagenstraße. Die studierte Betriebswirtin, die einst einen großen Sanitärbetrieb in ihrer Heimatstadt leitete und dort trotz ihrer Behinderung heute noch für die gesamte Betriebsabrechnung zuständig ist, hat im BFW die Braille-Schrift erlernt und vieles anderes mehr. Ihre Meinung ist: „Eine Erblindung ist kein Grund, nicht mehr arbeiten zu gehen. Man muss nur wollen.“

Gestern lud das BFW zu einem Tag der offenen Tür, bei dem man sich über die vielfältigen Bildungsmaßnahmen, Möglichkeiten der individuellen Förderung, aber auch über die große Palette an optischen, elektronischen und praktischen Hilfsmitteln informieren konnte. Der Tag stand ganz im Zeichen des Jubiläums „20 Jahre Berufsförderungswerk“. Denn: obwohl bereits seit über hundert Jahren Blinde und Sehbehinderte in einer eigens eingerichteten Institution in Halle gefördert werden, fand 1990 eine völlige Umstrukturierung zum modernen BFW inklusive einer umfassenden Sanierung und eines Ausbaus des Geländes statt.

„128 Rehabilitanden haben wir gegenwärtig“, sagt BFW-Geschäftsführerin Kerstin Kölzner. „Unser Ziel ist die dauerhafte Eingliederung in das Arbeitsleben. Integration erfolgt bei uns präventiv und aktiv“, erläutert sie, wobei sie besonders Wert darauf legt, dass ihre Einrichtung auch Betroffene betreut, die noch an ihrem Arbeitsplatz tätig sind. Damit der Arbeitsplatz nicht verlorengeht, werden individuelle Strategien erarbeitet, um die Leistungsfähigkeit der Betroffenen dauerhaft zu erhalten.

Zudem werden verschiedene Ausbildungen im kaufmännischen, kommunikativen und handwerklichen Bereich angeboten. Sehr gefragt bei den Arbeitgebern seien beispielsweise medizinische Schreibkräfte und IT-Kaufleute. Seit Januar gibt es einen neuen Lehrgang zur Medizinischen Tastuntersucherin, die in der Brustkrebsvorsorge eingesetzt werden soll. Ab Juli soll es eine Ausbildung zur Bürokraft geben.

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