Mitteldeutsche 02.06.06 Offene Türen im Berufsförderungswerk Sehbehinderte
Halle/MZ (Ines Krause). Sprechende Uhren, Farberkennungsgeräte und Schablonen, mit deren Hilfe man den Wert von Geldscheinen erkennen kann – diese und
andere praktische Hilfsmittel gab es gestern während einer Fachausstellung im Berufsförderungswerk für Blinde und Sehbehinderte (BFW) zu sehen.
Bereits zum 15. Mal hatte die Einrichtung in der Bugenhagenstraße zu einem Tag der offenen Tür eingeladen. Etwa 800 Gäste aus dem gesamten mitteldeutschen Raum waren ihr gefolgt. Die große Resonanz kam nicht von ungefähr. "Schließlich sind wir die einzige Einrichtung unserer Art in ganz Ostdeutschland" sagte Geschäftsführer Robert Bonan.
Für 140 Rehabilitanden aus zwölf Bundesländern ist das Berufsförderungswerk derzeit zur zweiten Heimat geworden. Dort haben sie die Gelegenheit, mehrere IHK-geprüfte Berufe zu erlernen. Das Spektrum reicht dabei vom Polsterer bis zum Informatik-Kaufmann. Die Umschüler wohnen während dieser Zeit meist im Wohnheim auf dem Gelände des BFW. Dort befinden sich außerdem behindertengerecht gestaltete Grünanlagen, eine Sporthalle, eine Kegelbahn und sogar eine Sauna. Der Unterricht für die Schüler, die in aller Regel zwischen 20 und 50 Jahre alt sind, erfolgt in kleinen Gruppen und ist sehr praxisbezogen. "Selbstständiges Arbeiten gehört dabei zu unseren wichtigsten Prinzipien", so Bonan. Darauf werde während der Ausbildung besonderen Wert gelegt, schließlich sind rund 20 Prozent der Umschüler völlig blind.
Zum Tag der offenen Tür konnten die Gäste sich gestern auch in das Erleben eines Blinden einfühlen. "Sensorische Welt" heißt die Kulisse, die sich in einem dunklen Raum befindet und in der man Einschränkungen durch fehlendes Augenlicht nachempfinden kann. Außerdem gab es eine große Tombola, deren Erlös nun dem Zoo Halle zu Gute kommen soll. "Damit soll ein Projekt mit behindertenspezifischen Angeboten für blinde und sehbehinderte Besucher auf dem Reilsberg gefördert werden", so Bonan, der sich gestern auch über den Besuch vieler ehemaliger Schüler freuen konnte. Und etliche von ihnen kamen mit guten Nachrichten für Geschäftsführer Bonan: "Es ist für mich immer eine riesengroße Freude, wenn sie erzählen, dass sie nach ihrer Ausbildung bei uns tatsächlich einen Job gefunden haben".









