Hürden mithilfe des Integrationsamtes überwunden - VdKZeitung Dez. 2004/Jan. 2005

Berufsförderungswerk Halle: Für die erfolgreiche Vermittlung in den Beruf müssen viele Hebel in Bewegung gesetzt werden.

Jeder weiß, dass die Integration von Menschen mit Behinderungen in den Arbeitsmarkt, besonders in der heutigen Zeit, keine leichte Aufgabe ist. Unvorstellbar ist jedoch für viele, dass selbst dann, wenn ein Arbeitgeber gefunden ist, noch viele Hürden zu überwinden sind.

Den künftigen Arbeitgeber fand Peter Keller (Name von der Redaktion geändert), der sich im Berufsförderungswerk (BFW) Halle an der Saale zu einer Rehabilitationsmaßnahme befand, mit ein wenig Glück und viel Hilfe des Integrationsamtes.

Im Januar 2002 begann er seine Umschulung zum Informatikkaufmann im BFW, dem beruflichen Bildungszentrum für blinde und sehbehinderte Menschen. Im Rahmen dieser Umschulung sollte er ein dreimonatiges Betriebspraktikum absolvieren. "Mit den Bewerbungen begann ich bereits ein Jahr vorher. Wie sich aber herausstellte, gestaltete sich die Suche sehr schwer", berichtete Keller. Er bewarb sich bei rund 40 Firmen. "Auf viele Antworten warte ich bis heute!"

Über einen Bekannten bekam er den entscheidenden Tipp: Er solle sich bei einer kleineren Baufirma bewerben. Peter Keller schickte dem Betrieb seine Unterlagen. Die Firma reagierte und nach einem kurzen Bewerbungsgespräch hatte er das Praktikum in der Tasche.

Praktikum in der Tasche

Während des Praktikums stellte sich schnell heraus, dass Keller und die Firma gut zusammenpassten. Gemeinsam mit der Integrationsberaterin des BFW Halle, Ingrid Schilling, und der zuständigen Arbeitsagentur wurde ein neuer zukunftssicherer Arbeitsplatz geschaffen.

Was zunächst so einfach klingt, hat Integrationsberaterin Schilling eine Menge Arbeit gekostet. Sie musste viele Hebel in Bewegung setzen, denn Keller ist sehbehindert und hat einen anerkannten Grad der Schwerbehinderung. Die Beraterin wandte sich an alle Partner, die für die Förderung dieser Arbeitsverhältnisse zuständig sind. Wegen der langfristigen Vorbereitungszeit erhielt sie von der Arbeitsagentur des Heimatortes, dem Träger der beruflichen Rehabilitation von Peter Keller, die Auskunft, sie solle im nächsten Jahr noch einmal nachfragen. Erst dann sei der Zeitpunkt einer möglichen Einstellung gekommen. "Die Sachbearbeiterin sagte mir, sie wisse ja nicht, ob es die Arbeitsagentur dann überhaupt noch geben würde", erzählte Schilling.

Die Agentur am Ort des Arbeitgebers sei wesentlich kooperativer gewesen, sei aber nur mit einer sehr geringen Förderung eingestiegen, sodass eine Einstellung für das kleine Unternehmen zunächst noch offen war. Nach Rücksprache mit dem Integrationsamt konnte jedoch nachgebessert und auch die erforderlichen elektronischen und optischen Hilfsmittel finanziert werden.

Gang der Institutionen

"Jetzt ist nur noch der Antrag für einen Umzugskostenzuschuss in der Schwebe, damit der neue Mitarbeiter auch künftig seinen Arbeitsplatz besser erreichen kann", sagt Schilling. Die Integrationsberaterin beklagt den oft umständlichen Gang der Institutionen: "Es ist schade, dass die Zuständigkeitsklärungen und Antragswege noch immer so lang sind und sich manche Sachbearbeiter mit der Klärung mancher Dinge so schwer tun." Daher seien sie und ihre Kollegen immer bemüht, alle Informationen zusammenzutragen und sämtliche zuständigen Behörden zu kontaktieren, um die Einstellungsbegleitung effektiv koordinieren zu können.

Hilfreich ist laut Schilling immer der kurze Dienstweg. "Optimal läuft es, wenn der Bearbeiter des Trägers der Rehabilitation vor Ort mit dem Arbeitgeber spricht und gleich alle Fragen geklärt werden können." Ingrid Schilling

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