Exkursion des Bereiches Textverarbeitung/Medizinische Berichtsassistenz ins Berliner Medizinhistorische Museum der Charité im Juni 2010

Impressionen von David Richter, Rehabilitand

Schon am frühen Morgen war zu spüren, dass es ein guter Tag werden würde. Ein blauer, klarer, kondensstreifendurchzogener Himmel – als hätte uns jemand diesen Tag, als ein Geschenk mit Schleifchen umwickelt, zum Genießen bereitgestellt.

Besseres Wetter könnte man sich für eine Exkursion nicht wünschen. Wir trafen uns um 07:50 Uhr am Info-Point des Hauptbahnhofes. Einige kamen verschlafen, andere zu früh, aber erschienen sind alle – und gemeinsam, mit Kaffee und Lunch bewaffnet, machten wir uns auf den Weg zum Gleis 5, wo auf uns der IC nach Old Berlin wartete. Wer noch nicht ganz bei Bewusstsein war, ließ sich in den Bahnsitz fallen und döste noch eine Weile herum.

Doch dieser Zustand hielt nicht lange an, denn einige Rehabilitanden schienen dank des Wohlfühlwetters mehr Energie entwickelt zu haben, als für eine ruhige Bahnfahrt nötig gewesen wäre, so nach dem Motto: „Eine Bahnfahrt, die ist lustig, eine Bahnfahrt, die ist schön.“ Schön war allerdings auch der Berliner Hauptbahnhof mit Spree und dem wunderbaren Strand mit Wohlfühlfeeling. Dieses Fleckchen Urlaub mit seinem feinen, durch die Sonne gewärmten Sand hielt einen fest und lud zum Bleiben ein. Die Einladung musste einstimmig abgelehnt werden, denn nicht der Strand war das Ziel, sondern das Medizinhistorische Museum. So zog die Karawane traurigen Herzens weiter und überquerte die Humboldthafenbrücke. Die Spree sorgte für eine erfrischende Brise und eine wunderschöne Aussicht auf den Glaspalast, von dem wir uns wegbewegten.

„Nach der Brücke rechts“, meinten einige, doch hielt man den Plan richtig herum, ließ sich das Museum links recht schnell ausfindig machen. Plötzlich standen wir vor diesem beachtlichen Gebäudekomplex, der sich wie eine Kleinstadt vor uns ausbreitete. Das Museum öffnete erst um 10:00 Uhr, das hieß, wir hatten noch fast eine halbe Stunde, die für ein zweites Frühstück und die Begutachtung eines vorbeifahrenden Schiffes genutzt wurde. Doch dann war es endlich soweit, die Uhr schlug 10 und der Wärter des Museums öffnete die Pforten: Man trat ein, legte Jacken und Taschen ab und ging, wenn man während der Tour durch über 200 Jahre Medizingeschichte nichts verpassen wollte, noch einmal auf die Toilette. Versammelt und bereit, etwas Neues zu entdecken, folgten wir dem Museumsführer in die erste Etage, wo auf uns eine Reihe interessanter Exponate wartete. Knochen, Gelenke, Sehnen, Bänder, Muskeln und Gefäße lagen in großen Glasvitrinen zum Bestaunen bereit. Unter jedem dieser historischen Funde beschrieb ein kleines Infoblatt, unter welcher Krankheit jenes Teil des menschlichen Körpers gelitten haben musste.

Wir begannen mit Nierensteinen so groß wie Frühstückseier, dem ersten röntgenfähigen Gerät des Physikers Wilhelm Conrad Röntgen bis hin zu einer hiesigen Sammlung von Teilen und Missbildungen der menschlichen Anatomie, die durch eine hochkonzentrierte Alkohollösung vor dem Verfall geschützt wurde. Nicht nur wir hörten und sahen hin, sondern auch unsere Mägen, die sich nach Frischluft sehnten. Die Exponate waren sehr interessant, aber nicht jeder konnte sich mit den unter seiner Haut befindlichen Materialien anfreunden. So traf man sich vor dem Gebäude, um die gesammelten Eindrücke mit den anderen zu teilen. Die Sonne bot uns noch immer ein hell leuchtendes Lächeln, grüne, saftige Wiesen und jede Menge Lust auf Sommer. Sie schaffte es auch, dass sich Mägen beruhigten und nach Nahrung knurrten. Diesem Knurren gaben wir durch einen Besuch am künstlichen Strand nach und jeder wurde bestens versorgt.

Die Durstigen konnten sich an einer kühlen Limo und einem gemütsberuhigenden, schattigen Plätzchen unter einem Sonnenschirm mit Palmenaufdruck erfreuen. Ein Hauch von Strandfeeling inmitten des Berliner Betondschungels ließ diese Exkursion gelungen ausklingen. Wir versetzten uns in Aufbruchstimmung, packten unsere sieben Sachen und versammelten uns auf dem Holzpfad, denn der Abschied aus der Welt der Träume und der Aufbruch in die Realität nach Halle standen kurz bevor. Die Energiegeladenen vom Beginn der Reise wurden still und hielten sich die vor Müdigkeit aufgerissenen Münder. Während der Heimfahrt ließ jeder den Tag im Kopf Revue passieren. Am Hauptbahnhof angekommen, verabschiedeten wir uns da, wo wir uns Stunden zuvor getroffen hatten, und gingen unseres Weges – viele neue Eindrücke mit uns nehmend.

Ihre Ansprechpartnerin:

Elke Busching

Kontakt- und Clearingstelle
Elke Busching

Tel.: 0345 1334-666

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